Strauchs Wanderlust

Pirminiusweg

Der offizielle Startpunkt dieser 28,3 km langen Runde ist in Hornbach bei Zweibrücken zu finden. Parken könnt Ihr an der Pirminiushalle in der Bahnhofstraße, wo sich auch in der Nähe ein Wohnmobilstellplatz befindet. Zwar überwindet man gerade mal 460 Höhenmeter, aber durch die Wegelänge und das Genießen der Umgebung sollte man 8 bis 9 Stunden einplanen.

ÖPNV: Ideal ist der Einstieg von der Bushaltestelle „Hornbach Kloster“, wo Ihr mit der Buslinie 235 eine direkte Verbindung zum Bahnhof Zweibrücken habt. Passt aber am Wochenende auf, denn dann muss man sich auf das ALT, ein Anruf-Linien-Taxi verlassen, das man 60 Minuten vor Abfahrt anrufen muss. Alternativer Startpunkt unter der Woche ist die Bushaltestelle „Brenschelbach Brunnen“, wo man regelmäßige Fahrten zum Busbahnhof Gersheim (Bahnhöfe Blieskastel-Lautzkirchen, St. Ingbert und Kleinblittersdorf sind von dort erreichbar) hat.

Zuerst waren wir an diesem Tag gefrustet… wir glaubten gegen den Uhrzeigersinn in einen grau verhangenen Tag zu starten. Aber, wir mussten schon im Laufe der ersten Minuten unsere vorgefassten Ansichten revidieren: Sonne! ☀️⛅☀️

Im frühen Morgen kämpfte sich das Licht bedächtig seine Bahn durch die lichte Wolkendecke.

Sanft bergan über 2,6 Kilometer liefen wir gemeinsam mit dem Wanderweg „Hornbach Runde“ auf verschiedenen Untergründen: Innerorts Bürgersteige, dann eine Teerstraße bis zu einen „batschigen„ Wiesenweg, welcher uns in ein Wäldchen geleitete.

In dem kleinen Forst „Moorseiters“ überquerten wir nach drei Kilometer die Landstraße K62. Innerhalb des Waldes stachen Moosbehange immergrün leuchtend in unser Auge, was einem großartigen Farbkontrast bildete. So wandelten wir zufrieden, bis sich die Landschaft öffnete. Wir genossen die Weitblicke in den Bliesgau in Richtung Altheim. Zwischendrin kreuzten wir nach 5,5 Kilometern die L201.

Nach 8 Kilometer erblickten wir verschlafen in einem kleinen Talkessel Brenschelbach.

Hier beginnt in der Ortsmitte übrigens der Wanderweg „Grenzgänger“.

Wohl einige der uns beobachteten 518 Brenschelbacher stammen von den Schweizer Einwanderer ab, welche sich durch die völlige Zerrstörung und das Fehlen der ursprünglichen Bevölkerung im Dreißigjährigen Krieg abgesiedelt haben. Die Umgebung des Ortes gehört schon seit der Römer- und Keltenzeit zu einem stets besiedelten Gebiet.

Die nächsten Meter auf Asphalt führten uns zu unserem ersten Grenzübertritt nach 9,8 km.

Vive la France! 🤝🍷🐌🐸🤝

So, bisher waren wir von größerem Schlammpfützen verschont geblieben, aber kurz vor Ormersviller – auf gerade Mal 400 Metern – verwutzen 🐽 wir uns völlig!

Wir kamen dreckig und speckig nach 10,5km in der kleinen französischen Gemeinde an. Sie hat gerade mal 383 Einwohner und liegt im Département Moselle in der Region Grand Est.

Um weiter Höhenmeter auf unser Wandertacho zu schaufeln, stiegen wir gemeinsam mit grandiosen Fernblicken bis zum Friedenskreuz empor. Wir waren bei Kilometer 12.8 angekommen.

Es wurde im Jahre 1992 in Gedenken an die Opfer des 2. Weltkrieges errichtet.

Als „Petite Suprise“ erblickten wir um das Denkmal herum die ersten Frühlingsboten: Gelbe Krokusse.

Kurz vor der Chapelle Saint-Joseph wurden wir von einem Mann mit den Worten „Bekannt aus Funk und Fernseh“ angesprochen. Andreas ist einer unserer Zuschauer, der unsere Videos von YouTube her kannte. Wir verbrachten gemeinsam unsere Pause an dem Sakralbau, bei dem wir nach 13,7 km ankamen.

Dort beindruckten uns die 360°-Sichten auf das Umland, während uns im Gebäude das bunte Glas der Fenster Lichter auf den Boden zauberte. Die ursprüngliche Kapelle wurde 1885 erbaut und geweiht durch das Betreiben des Ortsgeistlichen Michael Kuhn. Während des 2. Weltkrieges wurde die Kapelle 1939 durch französische Soldaten zerstört. Der jetzige Sakralbau stammt aus 1962/63.

Die nächsten Kilometer begleitete uns Andreas, während wir erneut einen Schwenk durch Ormersviller machten. Hier verlaufen zudem der Freundschaftweg (20 km) und Grenzgänger (ca. 19 km) durch.

Durch die sanft gewellten Hügel mit ihren bewirtschafteten Feldern und den zahlreichen Obstbäumen erblickten wir die Moulin d´ Eschviller nach 18,4 km.

Diese Mühle ist am Fluss Schwalb gelegen und wurde bereits im Jahr 1731 erbaut. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde sie seit 1976 restauriert und seit den späten 1980er-Jahren zu einer touristischen Attraktion ausgebaut. Neben einem Museum, was sich dem Mühlenalltag widmet, bietet das Gebäude Gästezimmer und eine Gaststätte mit französischer Küche. Auf dem Gelände der Mühle befinden sich außerdem ökologische Lehrpfade und ein Bienenhaus.

Absolut sehenswert war für uns aber das gefräßige Highland Rind. 🐮🌾🌿🍃

An dieser Stelle winkten wir unserm Mitwanderer Adieu, da er noch eine längere Pause am idyllischen Rastplatz geplant hatte.

In dem flachen Terrain zogen wir auf dem Teerweg rechter Hand an der Moulin de Lutzwiller vorbei.

Fast 20 Kilometer hatten wir schon getappt, 😊 als wir die Grenze nach Deutschland überschritten.

Im Ort „Brenschelbach Bahnhof“ waren wir nach 20,7 km erstmal irritiert.🤨 Brenschelbach ist mit dem Zug erreichbar? Die Lösung: Die Strecke von Zweibrücken bis Brenschelbach, dessen Bahnhof 2km außerorts lag, wurde nur in den Jahren 1916 bis 1945 betrieben. Und die Häusergruppe darum ist danach benannt. 🙃

Ein kurzer Anstieg durch einen sonnendurchfluteten Forst brachte uns auf ein landwirtschaftlich benutztes Hochplateau, wo wir für 1,5 Kilometer einfach nur genossen.

Über uns der Himmel azurblau, nur durch sanfte Wölkchen unterbrochen, vermittelte uns Frühlingsgefühle.

Als optischer Gag „winkte“ uns ein krutziger Baum am Horizont zu. 😅

Irgendwann war dann aber die offene Fläche durch einen Nutzwald abgelöst, der uns in einer großzügigen Schleife um den Becherbacher Weiher mit seiner Schutzhütte herumführte.

So hatten wir bei 25,4km auch den Spitzbubenweg (8 km) und den Paradiesgartenweg entdeckt.

Gemächlich stapften wir mit der langsam untergehenden Sonne zur Gimpelwaldhütte, in der wir nach 27,0 Kilometern einkehrten (Öffnungszeiten: Mi 14-18 Uhr, Do 16-20 Uhr, Fr 17-21 Uhr, Sa 14-21 Uhr, So 11-18 Uhr).

Urig pfälzisch und ausgesprochen herzlich speisten wir lecker: Wurstsalat und Flammkuchen! 🤩

In der Dämmerung gelangten wir zurück zur Pirminiushalle.

Fazit: Eine landschaftlich äußerst reizvolle Region in zwei Ländern, die man auf dieser langen Strecke erkunden kann. Wer aber schmale Wege bevorzugt, kann sich im nahen Pfälzer Wald besser austoben.

Zeitraum: Februar 2024

1 Kommentar zu „Pirminiusweg“

  1. Hallo ihr zwei,
    ein sehr schön geschriebener und bebilderter Artikel
    Hat mich gefreut euch kennenzulernen und ich würde mich freuen euch mal wieder auf einem Trail zu erwischen.
    Macht weiter so
    Liebe Grüße
    Andreas

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WEitere Beiträge

Wiener Wallfahrerweg, Etappe 03/07

Wow, die dritte Etappe von Kaumberg hinauf aufs Kieneck (1106m) zur Enzianhütte brachte uns ins Schwitzen. Gerade mal 11km lang, aber 790 Meter hoch und…