Strauchs Wanderlust

Wiener Wallfahrerweg, Etappe 07/07

Finale! Die fünfte und letzte Etappe führte uns vom Gscheid nach Mariazell. Insgesamt waren es 20,2 Kilometer, gerade mal 190m rauf und 300m runter.

Zudem haben wir unserem erfahrenen Mariazell-Pilger Peter vertraut und eine landschaftlich interessantere Route ab dem Hubertussee durch das Walstertal gewählt.

Strahlender Sonnenschein mit ein paar in der Ferne türmenden Wolkenhaufen halfen uns das großartige Frühstück im Gasthof Gschoadwirt zu verdauen.

So trotteten wir ungefähr zwei Kilometer entlang der Bundesstraße B21.

Rechts und links des Weges waren beeindruckende Blicke auf die umliegenden Berge, z. B. den Gschieß (1251m), den Gsenger (1442m) und Hoher Ulreichsberg (1276m), zu erhaschen.

Die grünen, saftigen Wiesen, welche die Gehöfte malerisch umschlossen, bildeten stets Blickfänge in der Umgebung.

Dann wurde der Untergrund von Schotter abgelöst und begleitet uns bis wir auf dem Wandertacho 6,4km stehen hatten, hinab ins Tal der Weißen Walster.

Ha! Jetzt kommt der Knüller! Nach ca. 8,5km erreichten wir das Gasthaus “Zur Wuchtlwirtin”.

Wuchtl ist das Stichwort! Lecker, süß und riesig!

Diese Gastronomie liegt übrigens auf 825 m im Tal der Weißen Walster am idyllischen Hubertussee und ist bereits seit 1852 unter wechselnden Namen in Betrieb.

Direkt dahinter beginnt das Refugium des Hubertussees, der sich an der niederösterreichisch-steirischen Grenze befindet.

Er verdankt seine Entstehung der Feier der silbernen Hochzeit des Ehepaares Krupp im Jahr 1906. Der Stausee war das Geschenk von Margret Krupp an ihren jagdbegeisterten Mann und wurde nach dem Hl. Hubertus benannt.

Damit wurde nicht nur diese entlegene Talenge mit elektrischem Strom versorgt, sondern vor allem eine landschaftliche Bereicherung geschaffen.

Ganz gemächlich umrundeten wir das Nordufer. Dort geschah etwas weniger Lustiges.

In der Nähe der Bruder-Klaus-Kirche, die 1965 bis 1967 erbaut wurde, ist eine kleine Anhöhe mit steinernem Pavillon zu der man über einen kleinen Pfad von beiden Seiten gelangen kann. Von dort hat man einen fantastischen Blick über den See und das Tal.

Nun, eine „Hochzeitsgesellschaft“, die im Grunde aber in ganz alltäglicher Kleidung herumstand, fühlte sich von Peter und Sarah „belästigt“. Mit breitestem Dialekt schnauzte die Braut unzählige flätige Bezeichnungen in unsere Richtung, u.a. auch sie hätten das ja gemietet. Allerdings weder ein Hinweisschild, noch ein Flatterband sperrten das öffentlich zugängliche Areal ab. Peter übersetzte Sarah später einige der sehr dreisten Bemerkungen der Braut, die deutlich unter der Gürtellinie zu finden waren.

Muss ich noch erwähnen, dass Sarah, wenn sie definitiv im Recht ist, stur wie ein Panzer ist? Sie setzte sich demonstrativ auf eine Bank direkt daneben, denn „Karma is a Bitch“. Nach 5 Minuten schob sich eine dicke Wolke vor die Sonne und das „ideale“ Licht, welches der Braut nach dringend erforderlich war, ging flöten. Still und ohne ein böses Wort kann man sich auch revanchieren! 😈

So flanierten wir für ca. 1,2km am Rand des Sees, bevor wir über den Asphalt den Abstieg in das restliche Walstertal vollzogen.

Zuvor konnten wir noch durch ein beeindruckendes steinernes Tor schreiten, das historische Wehr begutachten und noch ein nettes Schwätzchen halten.

Die sich am Morgen noch in der Ferne befindlichen „Wölkchen“ kamen zügig näher, man spürte den Wetterwechsel in der Luft und so rüsteten wir uns mit Schirm und Regenschutz aus.

Kurze Zeit später öffnete der Himmel seine Schleusen, während wir ca. 5 Kilometer bis ins Tal der Salza hinabstiegen.

Hier verbrachten wir eine gemächliche Trink-Pause beim Kilometer 16 in einem Gasthaus am Wegesrand. Gerne hätten wir Euch den Namen genannt, doch den konnten wir trotz Gedächtnis und Google nicht mehr herausfinden.

Nun begann der letzte Anstieg aus dem Salzatal hinauf nach Mariazell. Über Serpentinen trotzten wir dem Gefälle des Hanges.

Und siehe da: Die Wolken rissen auf, die Sonne schien munter bei unserem Einmarsch in Mariazell! Sogar eine Blaskapelle setzte sogar gefühlt extra für uns beim Erreichen der Basilika Mariazell mit ihrer Musik ein! Unser Peter fühlte sich erhört und gesegnet.

Ein paar Infos: Dieses altehrwürdige Gotteshaus ist das einzige mit dem Titel eines Nationalheiligtums im deutschsprachigen Raum. Insgesamt gibt es drei „Gründungslegenden“, wobei eine am meisten heraussticht: Sie besagt, dass 1157 der St. Lambrechter Mönch Magnus als Seelsorger in das Gebiet des heutigen Wallfahrtsortes ausgeschickt wurde. Als ihm ein Fels den Weg versperrte, stellte er die mitgebrachte Marienfigur nieder, wodurch sich der Fels spaltete und den Weg freigab. Auf einer Anhöhe in der Nähe ließ er sich nieder, stellte die Marienfigur auf einen Baumstrunk und erbaute darüber eine Zelle aus Holz, die ihm als Kapelle und Wohnraum diente.

Wir schossen vor dem Tor unser Abschiedsfoto vom Wiener Wallfahrerweg.

Fazit: Es ist der ideale und sanfte Einstieg, wenn man eine machbare Weitwanderung in Österreich absolvieren möchte. Für uns selbst war das Erleben der Natur und der Historie großartig, aber das Wichtigste war das gemeinsame Wandern mit unserem Peter! 😘

Zeitraum: September 2022

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