Strauchs Wanderlust

Moselsteig, Etappe 02/24

Von Palzem nach Nittel zeigt sich der Moselsteig auf ca. 16,5 Kilometern deutlich abwechslungsreicher als auf der ersten Etappe. Insgesamt hat man 430 Höhenmeter hinauf und 450m hinunter zu bewältigen. Auf der 2. Etappe startet man am Bahnhof in Palzem und peilt den Bahnhof von Nittel als Ziel an. In Nittel findet man am Bahnhof direkt an der B 419 Parkoptionen, während in Palzem nur wenige am Platz mit der Moselsteig-Infotafel in der Bahnhofstraße zur Verfügung stehen. Unsere klare Empfehlung: Nutzt bzw. kombiniert den ÖPNV mit dem PKW: in Nittel oder Palzem parken und mit dem Zug retour bzw. zum Start. Ganz wunderbar funktioniert das mit der Moseltalbahn, die im regelmäßigen Turnus an beiden Bahnhöfen verkehrt. Aber für reine ÖPNV-Nutzer bietet dieser Streckenabschnitt auch die Option über Trier anzureisen. Nähere Infos unter www.vrt-info.de!

Wir waren extra früh am Tag gestartet, um der angedrohten Regenfront zu entgehen. Also belohnte uns an diesem Ostersonntag 2024 die Sonne mit einer fantastischen Lichtshow im kleinen Ort Palzem. Wir befinden uns übrigens in der Erlebnisregion Südliche Weinmosel, die sich entlang der Mosel und im Mündungsbereich der Sauer von Perl nach Konz zieht.

Die ersten 3 Kilometer auf breiten Wald- und Feldwegen erwachte die Natur um uns herum. Buschwindröschen säten kleine weiße Tupfer ins Unterholz und Obstbäume blühten um die Wette.

Das Ganze wurde noch garniert von der Sonne und dem noch blauen Himmel, der die Aussichten noch bemerkenswerter werden ließ.

Auf diesem Abschnitt entdeckten wir noch den Moselsteig Seitensprung Wehrer-Rosenberg, der uns ein paar hundert Meter begleitete.

Nach ca. 4,5 Kilometer erreichten wir das knapp über 300 Einwohner zählende Dörfchen Helfant.

Besonders stach uns die Kirche St. Bartholomäus ins Auge, was gewiss an dem 1912 erbauten Doppeltürmen lag.

Sie wird im Volksmund wegen ihrer Höhe von gut 30 Metern auch „Helfanter Dom“ und „Dom des Saargaus“ genannt.

Einmal quer durch den beschaulichen Ort wanderten wir vornehmlich auf einen sanften Wechsel von Asphalt, Schotter und grobem „Feldwegbatsch“.

In der Ferne – im heranschleichendem Dunst – konnten wir das nahe Luxemburg auf der anderen Moselseite erkennen.

Nach gerade mal 8 Kilometern winkte uns das Ortsschild von Wincheringen zu und wir bogen in einem hohen Bogen nach links über die Hauptstraße ab.

Erinnert ihr Euch an die Schlammorgie von Etappe 1? Nun, jetzt kam das Revival!

Aber es kam mit einem Bonus daher: Moselblicke!

So tuckelten wir seelenruhig mit Ausblicken auf schlammigen Pfaden durch Weinberge samt einiger  gefährlicher Straßenquerungen auf insgesamt 2,5 Kilometern daher.

Zwischendrin – nach 9,8km – machten wir unsere einzige Pause an einer Schutzhütte, die uns eine ungewöhnliche Sicht auf die Mosel bot.

So langsam mussten wir uns eingestehen, dass die Sonne uns verlassen würde.

Auf jedem zurückgelegten Meter drohte uns das nahende Regengebiet zu überraschen. Und darauf hatten wir „Kee Luschd meh!“

Also Beine in die Hand und ab nach Rehlingen runter! Gut, auf den letzten 3 Kilometern konnten wir das fast flache Terrain genießen, … das änderte sich aber genauso fix wie das Wetter!

Ganz langsam und mit ausgeworfenem Anker zockelten wir den super steilen Berg bis zum Aussichtspunkt Gmünd hinauf. Das Kapellchen am Wegesrand mit Friedhof war leider verschlossen.

Auf den nächsten 2 Kilometern fühlten wir uns veräppelt: Anstatt den landschaftlich reizvollen Weg gerade auszunehmen, wurden wir von der Beschilderung in zwei Schleifen durch die Lohei geschickt.

Zumindest wurden wir oberhalb von Köllig entlohnt: Das Naturdenkmal Fels!

Die magisch grün leuchteten Moose auf grauen Felsblöcken umgarnt von Lianen artigen Untergehölz in dieser Stille! So ein idyllisches Tal! Wie genial muss das erst im Sonnenschein sein!🤩

Direkt nach 15 Kilometern lichtete sich leider die Natur und der Dorfrand von Nittel rückte in Sichtweite.

Wir kamen am „Broudermännchesbur“ vorbei und wir möchten Euch seine „Entstehung“ nicht vorenthalten:

„Die Sage vom “Broudermännchesbur” erzählt, dass der Brudermeister sein Wasser immer aus dem „Kraböller”, einer Quelle im Nitteler Oberdorf, holen musste. Dieses war für ihn ein sehr beschwerlicher Weg, besonders der Rückweg, der steil bergauf zur Kapelle führte.

Es geschah eines Tages im Sommer, als der Bruder auf dem Rückweg eine Pause einlegte, um ein wenig auszuruhen. Er stellte den Eimer mit dem Wasser neben sich, durch eine Unachtsamkeit stieß er diesen um und das kostbare Wasser lief aus. Der erneute Gang zum Kraböller erschien ihm so schwer, dass er in seiner Not zu Gott betete und ihn um Hilfe bat. Und siehe da, nach einiger Zeit sprudelte aus der angefeuchteten Stelle klares Wasser aus einer kleinen Quelle. Er dankte Gott und die Quelle sprudelte immer weiter mit sauberem, kühlem Bergwasser. Von da an konnte er sein Wasser immer an der neuen Quelle schöpfen.“

(Quelle: Ortstafel am Broudermännchesbur)

Etwas weiter oben am Hang befindet sich die Wallfahrtskapelle Sankt Rochus. Wir würden Euch empfehlen, sie als guten Aussichtpunkt auf die Moselschleife und auf das luxemburgische Wormeldingen zu nutzen.

Gerne hätten wir auch noch einen zusätzlichen Gang durch die Weinberge gewagt, aber der Wind frischte auf und die grauen Wolken türmten sich bedrohlich in der Ferne.

In Nittel selbst kürzten wir schamlos 🙃 den letzten Kilometer zum Bahnhof ab, da wir noch den Zug um 13:15Uhr erwischen wollten.

Fazit: Eine Steigerung der landschaftlichen Vielfalt und auch die Moselblicke heben die 2. Etappe deutlich positiver zur ersten Etappe ab. Es gibt auch die Möglichkeit über einen örtlichen Rundwanderweg von 6 Kilometern das Naturschutzgebiet Nittler Fels zu erkunden.

Zeitraum: März 2024

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