Strauchs Wanderlust

Durch Wein und Wald – Auf zum Bismarckturm

Am Rande des nordöstlichen Pfälzer Waldes liegt an der Deutschen Weinstraße diese 19,5km lange Rundtour in der Nähe von Kallstadt. Über gemütliche 6,5 Stunden hinweg erklimmt man knapp 530 Höhenmeter. Wer mit dem PKW anreist, hat zwei Optionen: In der Nähe des Friedhofes in Kallstadt parken oder aber direkt am Weg am Wanderparkplatz gegenüber des Forsthauses Lindemannsruhe. Jene, die die Anreise mit dem ÖPNV bevorzugen, haben folgende Möglichkeiten: Buslinie 453 ab dem Bahnhof Grünstadt bis zur Bushaltestelle Kirche, Kallstadt“  oder die Buslinie 489 bis zur Haltestelle Lindemannsruhe“, die beide auch am Wochenende angesteuert werden können.

Wer von Euch einen perfekt beschilderten Weg mit Markierungen möchte, der wird keine Freude mit dieser Route haben. Wir haben Euch aber auf den Navi-Apps OutdoorActive und Komoot die Strecke zur Nutzung bereitgestellt. 🙃

Wir haben uns für den Start in Kallstadt entschieden, nachdem wir aus dem regengrauen Saarland geflüchtet waren. Das idyllische Örtchen liegt an der Deutschen Weinstraße, hat knapp 1250 Einwohner und war bereits zu Zeiten der Römer eine blühende Kulturlandschaft. Interessanter Fakt ist auch, dass die Großeltern des Heinz-Ketchup Gründers Henry John Heinz aus Kallstadt stammen.

Am Rathaus bogen wir rechter Hand in die Leistadter Straße und hinter dem letzten Haus nach links auf einen kleinen asphaltierten Weg hinein.

Die ersten Mandelblüten deuteten uns schon auf einen besonderen Wanderweg hin, der uns eine Zeit lang begleiten würde: den Pfälzer Mandelpfad. Er führt über 100km von Bockenheim bis zum deutschen Weintor in Schweigen-Rechtenbach.

Links von uns die Hinterhöfe von Weinhotels, Weinstuben und Winzern, rechts die dazugehörigen noch leeren Reben zuckelten wir für 1,7km bis uns etwas in der Ferne ins Auge stach.

Eine „Römische Villa“ ! Die nachgebauten Ruinen nach den Originalgrundriss können frei besichtigt werden. Jedes Jahr im März findet freitags und samstags auf einem 6km langen Rundweg die größte „Open-Air-Weinprobe der Pfalz“ statt: die Bad Dürkheimer Weinbergnacht.

Wir „stolperten“ ohne es zu ahnen in die morgendlichen Soundanlagentests und konnten die kleinen weißen „Iglus“ samt Ess- und Weinangebot betrachten. Hier kreuzen die örtlichen Wanderwege „Pfalz, Wein, Wege: Rundweg Römisches Weingut Weißberg“ (5.9km), „Schatzinsel im Rebenmeer: Geo-Erlebnispfad“ (7,4km)und „Villen, Wein, gebrochener Stein: Römer-Rundwanderweg“ (21,7km).

Während die Sonne sich ihren Weg durch die Schleierwölkchen kämpfte, kam nach 2,1km das Römische Kelterhaus Weilberg auf uns zu.

Mit zahlreichen Bänken und Aussichtpunkten bis nach Bad Dürkheim sowie bei klarer Sicht bis zum Odenwald, Schwarzwald und zur Rheinebene war dieser Abschnitt gespickt.

Währenddessen konnte Sarah die erstaunliche Umgebung nicht genießen, da der Morgentee seinen Tribut verlangte. Hoffnungsvoll erblickte Sarah mobile Toiletten, die tatsächlich geöffnet und einsatzbereit waren.

Direkt dahinter stand eine gefährliche Überquerung der L517 stand an. Hier waren wir verleitet nach rechts über einen vermeintlichen Fußgängerweg zu gehen, der sich aber als Sackgasse entpuppte. Besser nach Kreuzen der Landstraße links in den Fahrradweg abbiegen.

So ließen wir das altehrwürdige Weingut Annaberg nach 3,8km zu unserer Rechten und bogen dahinter in einer scharfen 90° Kurve nach links ab.

Auf den nächsten fast flachen 1,8km konnten wir inmitten von Rebstöcken das Wasserwerk Leistadt 1922, einen aus den alten Steinen der Römischen Villa erbauten Brunnen und die Gölzmauer Hütte entdecken.

Und schon wieder erblickten wir einen neuen Wanderweg: den „Kaiser, Kelten und Römer: Panoramarundwanderweg Drachenfelsclub“ (4,8km).

Direkt neben dem NSG „Haardtrand – am Schlammberg“ nach 5,6km begann auf Kopfsteinpflaster der große Anstieg.

In einer großen Schleife um ein Teilstück des Biosphärenreservats Pfälzerwald konnten wir Weitblicke in die Rheinebene und die umliegenden Ortschaften erhaschen. Ganz nebenbei wurde es uns auch richtig schön warm durch die Steigung!🥵

Nach 6.5km durchschritten wir die beschauliche Siedlung am Forstberg und nach 7.8km den kleinen Weiler Weilach.

Auf diesem Abschnitt wechselte die Natur ihr Antlitz: erst Weinberge von Menschenhand geschaffen zu urwüchsigem Gehölz und dem Pfälzer Wald.

Unsere nächste Station war nach8,5kmdie PWV-Hütte „In der Weilach“ mit Kuchenpause(Öffnungszeiten: Sa und So 10 bis 18 Uhr).

Erneut wurden wir von vier weiteren Wanderwegen überrascht. Der Bekannteste ist der Pfälzer Weinsteig. Auch er beginnt in Bockenheim und endet ca. 172 km später in ebenfalls in Schweigen-Rechtenbach. Die drei anderen sind Rundwanderwege: „Pfalz, Pfade, Weilach: Rundweg Bismarckturm-Heidenfels“ (6,5km), „Pfalz, Pfade, Weilach: Rundweg Ruine Weilach“ (2,0km) und der Premiumwanderweg „Ganerbenweg“ (10,6km).

Jetzt wurde es spannend, denn auf Singletrails schraubten wir uns bis km 11 zum höchsten Punkt der Tour:

Dem Bismarckturm samt Gastronomie auf dem Peterskopf auf 493m. (Öffnungszeiten: Sa und So 10 bis 18 Uhr).

Er wurde von 1901 bis 1903 im neugotischen Baustil erbaut und verschlang 30.000 Reichsmark an Baukosten.

Dieses Bauwerk stellt eine Kombination aus Denkmal und Aussichtsturm dar, welche von 1992 bis 1998 saniert wurde und für 1 Euro zu besichtigen ist.

Natürlich ganz hoch ging nur Marco, da Sarah lieber einen Tee 🍵 in der Sonne 🌞 genoss.

Die nächsten Kilometer ging es nur noch bergab!

Schon nach 11,9km ploppte diedritte Einkehrmöglichkeit, das Forsthaus Lindemannsruhe (Öffnungszeiten: Mi bis So 11 bis 17 Uhr), vor uns auf. Hier ist auch der alternative Startpunkt des ÖPNV und der beste Parkplatz für den PKW zum Starten der Runde.

Pure Ruhe erlebten wir auf dem nächsten Streckenabschnitt. Entlang einer Hangkante staunten wir über die üppige Vegetation, die scheinbar wahllos in der Landschaft verteilten Felsen und den weichen Untergrund.

Nach 13.6km kamen wir an dem Briefkastenfels und dem Portemonnaie-Fels vorbei.

Irgendwann changierte die Umgebung ihr Bild: Nach 14,8km erlebten wir eine „Schrebergarten-Idylle“ auf dem Rotsteig (304m),und schwups wieder durch das NSG Haardtrand- In der Ruestergewann“, welches bis nach Leistadt reichte.

Nun tappten wir durch Leistadt, dem höchst gelegenen Ortsteil der Kreisstadt Bad Dürkheim mit knapp 1200 Einwohnern.

Gemütlich durchquerten wir das Dörfchen und nach 17.1km glitten wir ins NSG Felsenberg- Berntal, das mit der markanten Bruchlinie des Rheingrabens und seiner landschaftlichen Vielfalt beiderseits des Weges uns für sich eigenommen hat.

Die letzten beiden Kilometer steuerten wir im seichten Schein der Nachmittagssonne durch kahle Weinberge zurück bis nach Kallstadt.

Fazit:Drei Einkehroptionen, mehrere Naturschutzgebiete, der historische Aussichtsturm und der Wechsel der Landschaftsformen lassen die Runde zu einem Geheimtipp werden. Gute Ausdauer und auf manchen Abschnitten erforderliche Trittsicherheit sind notwendig.

Wer einfach nur zum Bismarckturm möchte, kann nach 1km Spaziergang vom Wanderparkplatz Lindemannsruhe jenen gemütlich erreichen!

Zeitraum: März 2024

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