Strauchs Wanderlust

Bliessteig, Etappe 03/05

So richtig inmitten von Aprilengrillen liefen wir die dritte Etappe von Blieskastel nach Schwarzenacker ans Römermuseum. Gute 22 Kilometer brachten uns neben Regen, Sonnenschein und jede Menge Wind qualmende Füße für Marco und einen hungernden Magen für Sarah.

Wir parkten wieder vor den Toren der Blieskastler Altstadt und am Parkplatz direkt neben dem Römermuseum. Für alle, die den ÖPNV benutzen möchten: von Blieskastel aus mit der Buslinie 501 bis Haltestelle Kreuzung, Wörschweiler und 7 Minuten bis zum Römermuseum oder vom Homburger Hauptbahnhof aus mit der R7 im regelmäßigen Turnus – auch am Wochenende – bis zur Haltestelle Römermuseum Schwarzenacker.

Noch trocken starteten wir in der Altstadt von Blieskastel, die wir Euch ans Herz legen möchten. Es gibt übrigens super interessante Stadtführungen mit historisch gewandeten Guides. Mehr erfahrt ihr auf der Homepage der Stadt.

Der arme Marco sah schon vom weiten seine Erzfeinde, die Treppenstufen. Sie führen steil hoch zum Kloster.

Neben den historischen Gebäuden bietet hier „Biergarten und Restaurant Pilgerrast im Wallfahrtskloster Blieskastel“ (Jan. Betriebsruhe, Febr. So von 11 bis 18 Uhr, März bis Dezember 11 bis 19Uhr mit Ruhetag Mo + Di), eine der vielen Einkehroptionen am Weg. Auf jeden Fall mit großartigem Blick hinunter ins belebte Blieskastel.

Direkt daneben ist die Heilig-Kreuz-Kapelle (Gnadenkapelle). Sie wurde 1682 erbaut, erhielt wenig später eine Kreuz-Reliquie, die dazu führte, dass die Wallfahrten begannen.

Weiter führte uns die Beschilderung durch den Klosterpark. Er wurde 1930 auf einem Areal des mit Obstbäumen bestandenen Klostergartens gebaut. Der Bildhauer Karl Riemann erschuf Szenerien aus dem Leben des Hl. Franz von Assisi. Uns persönlich hat die Vielfalt der Figuren und auch das Arrangement der Pflanzen und Bäume berührt. Wäre uns der Wind nicht so um die Nase gepfiffen, hätte Sarah dort wohl noch länger verweilt und Marco auf ner Bank geruht.

Hier verlaufen neben einem Pilgerweg auch der Saarland Rundwanderweg und die Kaschdler Runde.

Brav bergan trotteten wir nun vorbei an der Gollensteinhütte (So + Feiertag ab 11 Uhr, Mi bis Sa ab 16 Uhr) den Hang hinauf. Alte Bekannte, also der Saar-Mosel-Weg und der Bliesgau-Weg, haben uns bereits den Pfad bestreiten lassen.

Das nächste Highlight ließ nicht auf sich warten: Der Gollenstein. Ganze 6,60 Meter hoch und aus Sandstein gehauen, steht er seit ca. 5000 Jahren auf dem Hochplateau und ist der größte Menhir Mitteleuropas, was ihm auch einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde brachte.

Im Jahre 1939 wurde er vom damaligem NS-Regime als potenzieller Richtpunkt für die französische Artillerie betrachtet, umgelegt, in 4 Teile zerbrochen und erst 1951 wieder errichtet.

Nun setzte der Regen ein, was uns trotzdem die Natur um uns herum auf dem Weg hinunter nach Lautzkirchen beachten ließ.

Quer durch den Ort über die Bahngleise hinweg stiegen wir zum Kirchberg hinauf. Der Regen erlaubte uns wenig den Blick schweifen zu lassen, aber zumindest freuten wir uns über den kurzfristigen Windschutz am Vorbeiwandern, welcher uns das Gelände des Schäferhundevereins bot.

Wir kamen in die Gegend des Pferchstales, also immer noch Ortsrand Lautzkirchen, wo wir am „Biergarten/Café/Restaurant Zum Pferchthal“ (Mi bis Fr + So 12 bis 22 Uhr, Sa 17 bis 22 Uhr, Mo + Di Ruhetag), entlang schritten. Im Biergarten hatten wir im letzten Sommer zwei sehr leckere Kuchen ergattert.

Fast schon übersät ist der Eingang des Pferchtales mit Markierungen, u.a. auch Im Felsental und Wolfsweg.

Im Tal des Kirkler Baches folgten wir unserem „B“ für ca. einen Kilometer, bevor wir auf die Schilder der Kirkler Tafeltour stießen. Er wird umgangssprachlich auch einfach nur Felsenpfad genannt.

Das Beste daran: Singletrails mit Wurzeln, Felsen und Anspruch an den Untergrund, zudem eine einzigartige Atmosphäre durch den leichten Regen und der Abstufung der Farben des beginnenden Frühlings.

Da wir den Felsenpfad üblicherweise immer gegen und nicht wie jetzt im Uhrzeigersinn bestritten, war es auch für uns eine neue Perspektive.

Nach 2,5 Kilometer trennten wir uns von den schmalen Wegen und gingen gemeinsam mit Saar-Rhein-Weg und dem Saar-Pfalz-Weg in Richtung Kirkler Burg.

Keine einzige Schutzhütte auf knapp 10-11 Kilometern aktivierte unser Gedächtnis und so pausierten wir auf der Kirkler Burg, die 50 Meter neben dem Weg liegt.

Hier fand Sarah den rustikal saarländischen Handwerker/Wirt der Burgschenke, welcher sich lange mit ihr unterhielt. Ein paar Ideen für Euch: Der Kirkeler Burgsommer (www.kirkel.de/burgsommer) ermöglicht Kindern und Erwachsenen einen Sprung in das Zeitalter von Rittern, Knappen und Handwerkern. Auch die Burgschenke, welche im passenden Gewand beflaggt und dekoriert ist, bietet von April bis Oktober eine Einkehroption (Mi, Do, Fr ab 15 Uhr, Sa ab 13 Uhr, So ab 10 Uhr).

Zurück auf dem Weg säumten die Schilder der Touren Zum Frauenbrunnen und Räuberweg mit unserem B gemeinsam die Umgebung.

Keine 500m von der Burg entfernt findet ihr auch noch das Naturfreundehaus Kirkel, das fußläufig in wenigen Minuten eine weitere Einkehroption bietet (Mai–Sep. Di–Sa 13–21 Uhr, So und feiertags 11–21 Uhr, Mo Ruhetag, Okt.–Apr. Mi–Fr 15–20 Uhr, Sa 14–20, So und feiertags 12–20 Uhr, Mo und Di Ruhetag).

Tja, wie bei einem Steig halt zu erwarten: Höhenmeter! Jene brachten uns zur Hollerkanzel mit der leider nicht mehr erkennbaren Hollerburg. Sie wurde 1950 entdeckt, auf das 9Jh. datiert und bietet bei schönem, klarem Wetter die Aussicht bis zum bekannten Hausberg des Saarlandes, dem Schaumberg.

Ha! Jetzt kam der ersehnte Felsenpfad: auf 2 Kilometer kann man sich hier wie im Dahner Felsenland fühlen.

Ungewöhnlich ist zudem auch, dass man auf diesem Abschnitt „Felsklettern im Biosphärenreservat“ erlaubt. Es liegt nämlich im Naturschutzgebiet Kernzone Taubental des Biosphärenreservat Bliesgaus. Die erlaubten Felsen sind mit Schildern und Hinweisen kenntlich gemacht und es wird auch streng kontrolliert.

Anschließend wurde es happig: 5km anspruchsvolle Pfade an den Hängen des Taubentales, die uns volle Konzentration abforderten. Sollte auf dieser Strecke etwas passieren, könnte man mit dem Handy keine Hilfe anfordern: Funkloch! Als leichtere Alternative, aber auch ohne Empfang, nehmt die asphaltierte ungefähr 3 Kilometer lange Straße, die aber nicht befahren wird.

Jetzt absolvierten wir den letzten Berg: vom Hunger geplagt, vom Regen benetzt und mit Fußweh (Marco) gepeinigt!

Nach dem Aufstieg auf einem bequemen Waldweg und danach auf Schotter freuten wir uns auf den letzten Höhepunkt: die Klosterruine Wörschweiler.

Sie bietet eindrucksvolle Gemäuer, jede Menge Infos auf Tafeln, ausgiebig nutzbare Rastmöglichkeiten und einen mega Aussichtspunkt!

Jetzt habt ihr zwei Optionen:  einen sehr gefährlichen, rutschigen Singletrail oder einen längeren, aber sicheren Weg nach unten. Nichts für Anfänger ist der erstere!

Ohne Blessuren rutschten wir den schnelleren Weg nach unten, überbrückten die Autobahn und landeten wieder am Römermuseum Schwarzenacker.

Fazit: Wow! Zahlreiche Einkehroptionen, Natur und Kultur pur, anspruchsvolle Passagen!

Zeitraum: April 2023

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