Strauchs Wanderlust

Seitensprung: König-Johann-Runde

Hellauf begeistert erlebten wir die 11,8 km dieser Rundtour, welche in Freudenburg beginnt. Startpunkt und Parkplatz „Im Weiher“ findet ihr in der Straße „Torweg“. Wer mit dem ÖPNV anreist, kann an der Bushaltestelle „Lindenstraße“ aussteigen. Ungefähr 4 Minuten Gehzeit vom Bahnhof Saarburg aus könnt ihr die Linien 241 und 248 an der Bushaltestelle Bahnhof-Güterstraße benutzen.

Im Uhrzeigersinn starteten wir bei noch nicht ganz freundlichem Himmel, indem wir links neben dem Turm der Stadtmauer die Treppe nach unten marschiert sind. Auf dem Turm selbst sind wir zwar hochgestiegen, aber die Aussicht war eher mau.

Entlang der historischen Stadtmauer gelangten wir vorbei an Felsen auf direktem Wege zur Burgruine Freudenburg.

König Johann, nach dem dieser Wanderweg benannt ist, begann etwa 1335 mit dem Bau dieser Anlage als Teil eines strategischen Burgengürtels. Die Spornlage an der südwestlichen Seite des Eiderberges war ideal zur Übersicht auf das umliegende Land geeignet.

Wir aber konnten dadurch von den Fernsichten ins Umland profitieren.

Ihr Ende fand sie 1646 – so wie immer – im Zuge von gewaltsamen Streitigkeiten.

Über sehr waghalsige Serpentinen am Ende des Burgspornes stiegen wir hinab ins Tal des Freudenburger Baches.

Völlig eingenommen hat uns der glasklare Miniweiher, der von dem Gewässer gestaut wurde.

Felsen links im Unterholz und rechts das Gluckern des Baches, so verbrachten wir direkt nach der Holzbrücke für ca. 1,8 Kilometer lang unsere Zeit.

Die Steinhauer-Hütte, eine wirklich tolle Grillhütte, welche auch gemietet werden kann, kam als nächstes Ziel in Sicht.

Wir kreuzten, bzw. folgten nun parallel dem Maria-Croon-Weg. Jener ist dieser Heimatschriftstellerin gewidmet und führt über 18km von Orscholz nach Saarburg.

Über Singletrails, vorbei am kleinen Wasserfall des Ebertsbaches, erreichten wir den Talgrund des Leukbachtales.

Die Leuk verbindet durch ihren Lauf, mit Quelle im Saarland und Mündung in die Saar in Rheinland-Pfalz, über 15 Kilometer die beiden Bundesländer. Hier hat sie schon eine beachtliche Größe und auch eine recht starke Strömung durch das umgebene Gefälle. Sanfter wird sie im Verlauf nach Kollesleuken.

So haben sich die Vorfahren die Kraft zu Nutze gemacht und im Verlauf auf den nachfolgenden zwei Kilometern mehrere historische Mühlen betrieben.

An der ersten kamen wir direkt vorbei: Die Untere Stegmühle, welche zwar komplett erhalten, aber nur noch als Veranstaltungsort für Hochzeiten verwendet wird.

Wunderschön und idyllisch ruhig – kein einziges Geräusch der Zivilisation vernehmbar – schlenderten wir durch die „Kollesleuker Schweiz“.

Einen Abstecher ins Ewigbachtälchen mittendrin lohnt sich definitiv!

Allein direkt am Beginn steht der Pilzfelsen. Seine Präsenz ließ uns für einige Minuten innehalten und die Idylle der Natur darum in uns aufnehmen!

Die zahlreichen Mühlgräben speisten auch die zweite verbliebene Mühle, die Herrenmühle. Sie ist die Heimat der Firma WILDJING, welche aus regional wachsenden Äpfeln und Birnen leckere Produkte herstellt. Die Mühle selbst mahlt nicht mehr, aber das Mühlenrad wird noch zur Stromerzeugung genutzt. Glücklicherweise ermöglicht es der Eigentümer am deutschen Mühlentag-Tag, die die historischen Bereiche zu besichtigen.

Oberhalb des Ortsrandes von Kollesleuken, links der Leuk samt Mühlgräben und mitten durch den frühlingshaften Waldrand, kamen wir schließlich nach sechs Kilometern am Mühlenplatz in der Ortsmitte an.

Eifrig mampften wir an dem friedlichen Rastplatz, endlich im strahlenden Sonnenschein, unsere Pausensnacks. Hier erfuhren wir auch das die letzte Mühle, die Dührmühle, nicht mehr existiert und sich an dieser Stelle befand.

Noch zur Info: Ein Tourstart ist auch in Kollesleuken mit dem ÖPNV möglich, da die gleichen Buslinien hier entlangfahren.

Sanft im leichten Auf und Ab verbrachten wir nun ungefähr 2 km auf der rechten Seite des Leuktales.

Wiesen, später Waldrand mit Felsen und schönen Talsichten geleiteten uns bis zum strammen Aufstieg ins Waldgebiet Klingelfels.

Endlich oben waren wir baff: Die Wolken, so klar definiert wie im Bilderbuch, zogen am Horizont von dannen. Wie Spock 🖖sagen würde: Faszinierend!!

Eine kurze Strecke inmitten von Feldern und Wiesen und schon überquerten wir eine unter der Woche stark frequentierte Landstraße.

Den nächsten und auch letzten „Hügel“ brachte uns durch einen fast märchenhaften Einstieg in das Naturschutzgebiet Eiderberg. Es umfasst seit 1999 ca. 34ha, 1977 waren es noch 19ha.

Es ist geprägt durch eine Muschelkalkkuppe und der seit dem 9 Jh. verwendeten Rottwirtschaft. Diese Form ist eine Wald-Feld-Wechselwirtschaft, welche die Landschaft zum Offenland geführt hat. Leider hat etwa seit Mitte des 19 Jh. diese Art langsam an Bedeutung verloren, u.a. auch durch massive Wiederaufforstung. In diesem Gebiet hat die Erhaltung zu artenreichen Kalkmagerrasen geführt.

Oben auf dem Plateau könnt ihr weit in die umliegende Natur schauen, die Weite der Landschaft genießen.

Irgendwann haben wir dann schweren Herzens den Abstieg nach Freudenburg in Angriff genommen.

Dabei informierte uns eine Infotafel noch über die Geschichte des Jüdischen Friedhofs. Er wurde seit dem 17 Jh. genutzt und war größte Begräbnisstätte im Kreis Trier-Saarburg mit über 3500m² bis zum Beginn der NS-Zeit. 1994 haben Freudenburger Bürger ihn als Zeugnis und zur Erinnerung an die jüdische Kultur des Ortes instandgesetzt.

Wenig später erreichten wir beim Gang durch das beschauliche Dorf unseren Ausgangspunkt.

Fazit: Ein rundum gelungener Weg, der abwechslungsreicher nicht sein könnte! Erfordert aber an einigen Passagen Trittsicherheit!

Zeitraum: April 2023

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