Strauchs Wanderlust

Bliessteig, Etappe 01/05

Frühling! Endlich! Nach langen Warten starteten wir endlich unser Frühjahrsprojekt 2023:
in 5 Etappen auf 110 Kilometern von Saargemünd nach Bexbach.

Wir überwanden auf ca. 20 Kilometer die Strecke von Saargemünd in Frankreich bis zur Jungholzhütte bei Bebelsheim. Stolze 430 Höhenmeter kamen so zustande.

Warum Bliessteig?
Nun, wir durchqueren einen großen Teil des Bliesgaues, meist das Biosphärenreservat Bliesgau und den Saar-Pfalz-Kreis. Namensgeber ist das Flüsschen Blies.
Sie ist mit ca. 100 km der längste Fluss des Saarlandes und wichtigster Nebenfluss der Saar. Im Landkreis St. Wendel, zwischen Selbach und Gronig, entspringt sie bei 420Hm aus drei Quellen, überwindet auf ihrer Reise 220Hm und mündet bei Saargemünd in die Saar. Auch ist sie der Grenzfluss auf ca. 15 Kilometer Länge zwischen der BRD und Frankreich, auf einem Teilstück nicht in der Flussmitte, sondern als Besonderheit entlang des deutschen Ufers.

Am Tag zuvor stellten wir mit Genehmigung der Wirte der Jungholzhütte unser Auto auf deren Parkplatz ab. So konnten wir den ÖPNV nutzen: von Saarbrücken Hauptbahnhof fährt alle 30 Minuten die Saarbahn bis zu Endhaltestelle Saargemünd in Frankreich.

Seinem normalen, sehr ausgeprägten Frühstück-Rhythmus beraubt, das Speiseöl morgens auf den Schuhen beim Öffnen des Schrankes verteilend und auch noch seinen Schlauchschal vergessend, versprach es ein miesgelaunter Tag zu werden. Aber der Sonnenschein und die 10° um 8 Uhr hoben Marcos Gemüt und wir konnten am offiziellen Startpunkt vor dem Saargemünder Bahnhof loslegen.

Aber Pustekuchen! Keine Beschilderung wies uns den Weg, erst als wir quer durch die Innenstadt von Saargemünd und nach Überqueren der Saar die Bliesmündung erreichten, wurden wir fündig. Also nutzt eine Tracking-App bis dorthin. Später ist der Weg prima ausgeschildert.

Hier noch ein paar Impressionen aus der französischen Grenzstadt:

Nach ca. 2,5 Kilometer auf der französischen Seite der Blies überbrückten wir bei der Bliesmühle das Gewässer.

Die Moulin de la Blies, eine ehemalige Steinmühle, wurde 1841 an der Blies errichtet und beinhaltet heute ein Museum für die Techniken der Herstellung von Steingut.

Ab und zu parallel mit dem sehr schönen Wanderweg „Blies-Grenz-Weg“ schritten wir nun mehrere Kilometer, vorwiegend auf breitem Weg mit spärlichem Wechsel auf naturbelassene Pfade, direkt an der Blies entlang.

Das Landschaftsbild wird durch die Bliesaue geprägt: typische Ufergehölze wie Erlen und Weiden und weites Überschwemmgebiet, durchbrochen von saftgrünen Wiesen und Blicken ins Umland.

Auch die Radwege Glan-Blies-Weg, Tour de Sarre und Velo visavis kreuzen hierzulande den Wegeverlauf.

Einen Hinweis zum „Sandstrand an der Blies“ folgten wir kurz, aber weit und breit wurden wir nicht fündig, aber immerhin kamen wir so ganz nah an den Fluss heran.

Nach 6,2 Kilometern erreichten wir die Brücke hinüber nach Blies-Guersviller. Schwupps, und abermalig in Frankreich. Sarahs innerer, deutscher Monk wünschte sich beim Anblick des Kabelsalates dringlich Kabelbinder her! 🙄🤨

Vorbei an der „Chapelle de Blies-Guersviller“ bogen wir direkt hinter dem Miniort im großen Bogen nach links und erfreuten uns an der bezaubernden Natur des Bliesgaues.

Im Sonnenschein noch eindrucksvoller zeigten sich gelbe Löwenzahntupfen, lila Wiesenschaumkraut und weiße Gänseblümchen in Hülle und Fülle und leuchteten mit dem frischen Grün gemeinsam.

Die Hänge rechts der Blies beherbergten weiß blühende Obstbäume und exorbitant grüne Wiesen.

Wir passierten schließlich den Ortsrand von Blies-Schweyen und entdeckten den sehnlichst gewünschten Rastplatz.

Ursächlich für diese Gelegenheit ist die Anlage eines Erlebnispfades. Naturnah wurden verschiedene Stationen und pädagogische Module angelegt, welche spielerisch durch einen Parcours führen. Die Tast- und Riechkästen haben zwar schon bessere Zeiten erlebt, aber die Umgebung ist einfach atemberaubend.

Direkt nach der Pause liefen wir neben dem Kanal, der durch die Firma Adt 1894 für die Energiegewinnung mittels Wasserkraft für ihre Pappmaché-Fabrik gebaut wurde. So entstand das Wasserkraftwerk Bliesmengen-Bolchen. Die Firma kaufte mehrere Mühlen, um deren Mühlgräben zu nutzen und um die damit verbundenen Wasserrechte zu erwerben. In ihrer langen Geschichte wechselte die Fabrik – auch auf Grund politischer Gegebenheiten – die Besitzer, das Wasserkraftwerk blieb aber durchgehend aktiv betrieben.

Unser Aufenthalt endete mit dem Überschreiten der „Pont du Passeuer“, der Fährmannbrücke. Jene wurde 1993 an Weihnachten vom Hochwasser überspült und das Ereignis ist als „Crues des Noel“ in das Gedächtnis des Ortes eingegangen.

Nun kamen wir nach Bliesmengen-Bolchen, welches im Mandelbachtal zu Hause ist.

Unser erster Berg rief! Zuvor waren wir fast flach und ohne Steigung 9 Kilometer marschiert.

Am Ortrand entdeckten wir „HistoPopArt – Kunst am Weidezaun“, welche an der Umzäunung der niedlichen Lamas angebracht war.

An dieser Stelle kreuzen sich die Wanderwege Gräfintaler Klosterpfad, Spazierweg Gräfintal, Heidenkopfrunde, Natura Trail Mandelbachtal. Einige sind wir bereits erwandert, sodass ihr dazu Blogbeiträge findet. Nähere Infos findet ihr natürlich auch auf der Webseite der Saarpfalztouristik (www.saarpfalz-touristik.de)!

Auf dem schnurgeraden, asphaltierten Weg durch eine Allee von Korbweiden – es könnte sich auch um Ahorn handeln – trafen wir auf Gräfinthal, im Volksmund auch Kloster Gräfinthal genannt.

Dieses kleine Miniörtchen wurde im 13 Jh. gegründet als Elisabeth von Blieskastel ein Kloster stiftete. Immer wieder teilweise zerstört erfuhr der Standort eine Blütezeit in der ersten Hälfte des 18Jh. Danach brach das aktive Klosterleben ab, konnte aber im Jahre 1993 durch Benediktinermönche bis heute aktiviert werden.

Interessant sind auch die Naturbühne Gräfinthal direkt dahinter und die beiden ortsansässigen Gastronomien, zudem die Parkmöglichkeit, um das vielfältige Wanderangebot nutzen zu können.

Auf den Hangflächen des Klosters ist das Naturschutzgebiet „Umgebung Gräfintal“ heimisch:  Es dehnen sich Wiesen im Wechsel mit Hecken und Büschen aus, was zu einer hohen Artenvielfalt führt.

Jetzt nahm der erste Anstieg so richtig an Fahrt auf: erst einen alten Pligerpfad hinauf, flankiert von alten Sandsteinstelen eines Kreuzganges und schließlich über einen breiten Waldweg nach oben.

Seit unserer Rast hatte sich die Sonne durch eine Wolkendecke verdrängen lassen, sodass ein frisches Lüftchen uns umwehte.

Bergab auf Forstwegen erreichten wir durch ein schmales Kerbtal erneut das Mandelbachtal.

Nach dem Kreuzen einer Landstraße sichteten wir den Mandelbachweiher und nahmen den Berg Nr. 2 in Angriff. Ja, liebe Bewohner von Mittelgebirgen und Alpen, für uns Saarländer ist dieser „Hiwwel“ ein BERG! ⛰🗻🏔

Kennt ihr den lieblichen Duft von Bärlauch? Riecht wie Knoblauch… auf den nächsten Kilometern sollte uns die längste Knobi-Fahne der Welt umschmeicheln. Das war schon ziemlich „too much“!

Oben eröffnete sich der Blick auf das unter uns eingebettete Reinheim und uns haute die Pracht des Bliesgaues mal wieder aus den Socken.

Noch nicht im Tal, sondern noch hangmittig kurz vor dem Ortsrand, kam der Endspurt den Berg Nr. 3 hinauf.

Auch hier schaffte es der Bärlauch in unsere Nasennebenhöhlen und Sarah hoffte am nächsten Tag nicht nach Knobi zu duften.

Unser Ziel, die Jungholzhütte, rückte immer näher. Der massiv verhungerte Marco freute sich auf die regionale Küche, wobei die Familie Gaschott ein großes Augenmerk auf saarländische und im Bliesgau beheimatete Lieferanten für ihre Gerichte hat. Die Öffnungszeiten sind sonn- und feiertags von 11 bis 19 Uhr, samstags von 14 bis 19 Uhr und mittwochs von 17 bis 21 Uhr. Noch ein Tipp von uns: Auf Facebook könnt ihr Euch über die Veranstaltungen und Mittwochsleckereien informieren.

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an das Team, das wir bei Etappe 1 und 2 unser Auto auf dem Parkplatz stellen dürfen. Merci beaucoup! 🥰

Am Ziel gönnten wir uns nach den geschafften zwanzig Kilometern etwas Leckeres, Sarah verzichtete aber freiwillig auf die Bärlauchwürstchen.

Fazit: Für einen Fernwanderweg erstaunlich abwechslungsreich, sehr gut beschildert im Großen und Ganzen und mit der Jungholzhütte eine prima Einkehroption. Die ersten 9 Kilometer sind leicht zu begehen, die letzten 11 erfordern eine gute Grundkondition.

Zeitraum: April 2023

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