Strauchs Wanderlust

Wiener Wallfahrerweg, Etappe 01/07

Perchtoldsdorf – Holzschlag

Die 1. Etappe führt von Perchtoldsdorf, einer der zahlreichen Weinorte im Umkreis von Wien, bis nach Holzschlag. Beide Orte liegen im Bundesland Niederösterreich.

Gemeinsam mit unserem Freund Peter (YouTube-Kanal „Ich am Weg“) bestritten wir die 115 Kilometer, die von Perchtoldsdorf nach Mariazell verlaufen. Klassisch würde man das Ganze in 5 Etappen schaffen. Da wir einfach die Landschaft und die Kultur in Ruhe genießen wollten, haben wir es auf 7 Etappen verteilt. So ist die erste Etappe knapp 24-25 Kilometer lang, da wir ansonsten keine Übernachtungsoption gehabt hätten. 

Auch eine kleine Besonderheit war die „Trennung“ von Sarah und der Gruppe. Durch eine Corona-Infektion 4 Wochen zuvor, war sie körperlich noch nicht in der Lage solche Wegestrecken von ca. 25 Kilometern zu meistern. Wundert Euch daher bitte nicht, wenn ihr hier plötzlich zwei Handlungsstränge vorfindet. 😉

Ein gemeinsamer Start mit Überraschung:

Offizieller Startpunkt ist die katholische Pfarrkirche St. Augustin in Perchtoldsdorf. Genau dort kamen wir durch die bequeme Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an.

An diesem Tag konnten wir leider das Gotteshaus nicht besichtigen, da wir ca. 15 Minuten vor Beginn der Messe zur Kirchweih angekommen waren. Sarah spitzte aber dann noch schnell um die Ecke und konnte ein einziges Bild ohne Blitz ergattern. Die vielen, meist älteren Menschen mit Dirndl und Tracht waren schon ein Hingucker!

Warum Überraschung? Naja, zur Vorgeschichte erst einmal die Info: Wir haben mit der „Surprise“ gemeinsame Sache gemacht… Still und heimlich… ohne dass unser Wienerchen etwas ahnte. Hehe!

Keine 100m hinter einer Litfaßsäule stand versteckt eine Gestalt. Ganz hager mit einer Mütze und Sonnenbrille getarnt, wartete sie auf unser Vorbeimarschieren. Vollkommen in Gedanken, abgelenkt von der Vorfreude auf den Wandergenuss, verdutzte das Peterlein schlagartig. Komplette Emotionsvariablen wechselten sich in Windeseile auf seinem Gesicht ab, bevor er voller Enthusiasmus seinem Freund Flutterby entgegen sprang… auf und ab… Wie ein Flummi!

So begannen wir, also ein perplexer Peter, ein amüsierter Flutterby, ein Marco mit Hut samt Stab und eine gelegentlich busfahrende Sarah, unsere Wanderung auf dem Wiener Wallfahrerweg nach Mariazell!

Die Jungs-Gruppe on Route!

Schwer bepackt mit dem Treckingrucksack überwanden Marco, Peter und Flutterby in 2 Kilometern knapp 230 Höhenmeter. Im Nachhinein empfand der Flachlandtiroler Marco diesen Abschnitt als zweitbeschwerlichsten der Etappe.

Nun kam die Josefswarte in Sicht. Sie ist eine zwölf Meter hohe stählerne Aussichtswarte auf dem Gipfel des Hinteren Föhrenbergs.

Von der Aussichtsplattform hat man einen guten Ausblick. Hier einmal ein paar markante Beispiele: die Stadt Wien, ins Wiener Becken bis zum Rachsthurn, zum Schneeberg. Mit dem Schneeberg sollten wir ca. 1 Woche später unsere Bekanntschaft machen.

Direkt daneben liegt die vom österreichischen Alpenverein im Jahre 1912 erbaute Kammersteinerhütte auf 578 Meter, welche von Mittwoch bis Sonntag von 10 – 18 Uhr geöffnet hat. Die durstigen Jungs hätten also etwas Kühles trinken können, waren aber nach gerade mal 3,5km noch nicht für eine Einkehr bereit… so ganz schwach hatte einer der Jungs eine weitere Hütte im Wegeverlauf im Kopf…

Jetzt folgten die drei Weggefährden für ca. 4,5km breiten, bequemen Wegen bis sie an der Unterstandhütte eine Pause einlegten, leider ohne Bewirtschaftung.

Zwischendrin ragte in der Ferne der Schneeberg am Horizont in die Höhe und auch die Burg Wildegg rückte ins Blickfeld.

Hier noch ein riesiges Lob an Flutter, der sein reichhaltiges Wissen über Fauna und Flora mit allen teilte!

Mitten auf dem Weg entdeckte unser Peter eine riesige Kiefer, bei der er wohl instinktiv das Bedürfnis des Waldbadens verspürte und diese spontan knuddelte. Im Nachhinein erzählte er Sarah später, dass es sich um einen besonderen Kraftplatz handele, den er 10 Jahre zuvor während der Wanderung mit seinem Vater entdeckt hatte. Das Gebiet heißt im Übrigen Seewiese, so wie das leider geschlossene Restaurant in der Nähe.

Verdutzt über so viel Kameraequipment schauten einige Kühe des Gehöftes Sparbaches den drei lustigen Wandergesellen nach als diese bergab auf Schotterwegen nach Sittendorf marschierten.

Nun hatten sie schon fast 11km auf dem Wandertacho, als sie den Aufstieg ins kleine Dorf Füllenberg bewältigten.

In diesem kleinen Ort erlebten die Jungs gleich drei „Begegnungen“:
1. Kindliche Freude verspürte unser Flutter, als er einen uralten, münzbetriebenen Kaugummiautomaten vorfand.
2. Sie trafen einen sehr gesprächsbereiten Weitwanderer, der unterwegs nach Wien war.
3. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnten… sie wurden von einer hungrigen Erscheinung erwartet …

Sarah, das Busfahren in Österreich und die Frage „Was tun“?

Gemütlich mit jede Menge Zeit schlenderte Sarah erst einmal ein bisschen durch Perchtoldsdorf, guckte sich in der „App ÖBB Scotty“ den Fahrplan nach Heiligenkreuz an und fand dank der mega übersichtlichen App direkt den passenden Bus samt Haltstelle. Erst einmal an ein großes Lob an den ÖPNV (österr. „Öffis“). Im Vergleich zu Deutschland (Über die Deutsche Bahn reden wir mal lieber nicht! 😒) hat man sogar in regelmäßiger Taktung Anschlüsse in sauberen Bussen mit freundlichen, nicht zu „Kamikaze“ neigenden Busfahrern.

Ihr erstes Ziel war die Stadt Mödling. Hier musste sie fast 50 Minuten Umsteigezeit überbrücken. Sie kann das schnuckelige Café Weiss empfehlen… und dort ergatterte sie die besten Macrons, die sie seit langem gegessen hatte. Den tapferen Jungs hat sie natürlich auch einige besorgt!

So kam sie dann wenig später in Heiligenkreuz direkt vor den Toren des Klosters an.

Stift Heiligenkreuz

Im Jahr 1133 gründete der Markgraf Leopold III das Kloster, indem der Zisterziensermönche aus dem Kloster Morimond in Frankreich in den Wienerwald lockte. Die Gegend erblühte geistlich und wirtschaftlich und die Mönche brachten neue Impulse auf den Gebieten der Land- und Forstwirtschaft in die Region. Erste bauliche Tätigkeiten: romanisches Langhaus der Stiftskirche im Jahre 1187, der gotische Hallenchor 1295 und zahlreiche weitere im 13. Jahrhundert. Besonders eindrucksvoll und eine Kostbarkeit sind die Glasmalereien in Grisaille-Technik. Namensgebend erwies sich das Stück des Heiligen Kreuzes, welches als Reliquie von Herzog Leopold dem Kloster übergeben wurde. Knapp 100 Mönche leben und arbeiten heutzutage im Kloster.

Neugierig erkundete sie den wunderschönen Innenhof, wo vier uralte Platanen um einen Springbrunnen gruppiert sind. Auch im Klosterladen wurde sie fündig: Pferdesalbe für den armen Marco! Gerne hätte sie eine Führung mitgemacht, aber da die Mönche in der Messe waren, wurde zu diesem Zeitpunkt keine angeboten.

Hmm… kurz nach dem Abklappern hatte Sarah zwei drängende Probleme: Langeweile (damit kommt sie klar) und Hunger (Das ist ne persönliche Katastrophe!).

Das erste überwand sie, indem sie beschloss den Jungs langsam und bedächtig entgegenzulaufen und den Kalvarienberg neben dem Gotteshaus zu besichtigen. Dort rettete sie ein Pärchen mit der Empfehlung den nahen, sehr übersichtlichen Friedhof zu besichtigen.

Friedhof Heiligenkreuz

Am 1. Februar 1889 wurde die, bei der „Tragödie von Mayerling“ tragisch ums Leben gekommene Lebensgefährtin von Kronprinz Rudolf, Mary Freiin von Vetsera, an der Nordwestmauer des Friedhofes beerdigt. Bis in die 1950er Jahre wurden auch die verstorbenen Mönche des Stiftes entlang der südöstlichen Friedhofsmauer beigesetzt.

Hui, … die Jungs waren in jener Stunde erst in Sittendorf angekommen… Und Sarah mag nun mal kein unbeschäftigtes Rumhucken, also machte sie sich voller Tatendrang den Berg zum 2km entfernten Füllendorf hinauf.

Dort, gaaaaanz leicht hungrig wartete sie auf einer Anhöhe auf die Jungs…

… und wieder alle vereint!  (😉 also ohne Topper)     

Inmitten von Herbstzeitlosen auf einem alten Treckerreifen thronte eine halb verhungerte Wanderin, die den erstaunten Jungs entgegen winkte.

Gemeinsam stieg die vereinte Gruppe dann hinab nach Heiligenkreuz, passierten zuvor wieder den Friedhof, guckten sich den Kalvarienberg an und freuten sich auf die Einkehr in die Klosterschenke.

Dort im Biergarten wurde gefuttert, was das Zeug hielt!

Peter und Marco, unsere Filmer, ließen es sich nach dem Gaumenschmaus nicht nehmen, das Kloster zu erkunden. Sarah und Flutter… die frönten ihren „Hobby! … Infotafeln lesen und sich angeregt darüber unterhalten. 🙄

Und weiter: zuerst Treppen für Marco, dann queren und kreuzen und nebenher gehen auf einer Landstraße. Dauerte nicht so lange, war aber auch kein Gewinn! In dem kleinen Örtchen Mayerling überbrückten wir den Fluss Schwechat und Flutter lenkte unsere Blicke auf die Allander Bischofsmütze (Berg).

Die Landschaft wandelte sich langsam, wurde sanfter und geprägt von der Landwirtschaft.

Nun ging es bergan bis nach zum Örtchen Maria Raisenmarkt, wo dem tapferen Marco langsam die Kräfte erlahmten. Auch er hatte 4 Wochen zuvor eine Corona-Infektion hinter sich, also Hut ab!

Die letzten Kilometer nach Holzschlag hatten es in sich: der schwerste Anstieg nach knapp 23km! Und wir Saarländer lernten was: Moderates-Berghoch ist in Österreich ein saarländisches Intensiv-bergan!

Dieses Wort „moderat“ sollte uns als Insider während der gesamten Wanderung begleiten…

Endlich im kleinen Weiler Holzschlag angekommen, verabschiedeten wir uns schweren Herzens von Flutterby. Der ultrafitte Mensch tappte ohne Anstrengung noch 6km bis nach Weissenbach um seinen Zug zu erwischen!

Peter, Marco und Sarah verweilten danach müde und hungrig im Gasthof Holzschlag. Als Nachspeise im Zimmer für Peter eine Genuss-Explosion: seine ersten Macrons!

Fazit: Zwei charmante Anstiege, Josefwarte und das Kloster mit Umfeld lohnten den strapaziösen Gang von fast 25km!

Zeitraum: September 2022

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