Strauchs Wanderlust

Traumschleife Trierer Galgenkopftour

An diesem sonnigen Tag schafften wir 17 Kilometer in knapp 4 Stunden und 30 Minuten. Ca. 430 Höhenmeter überwanden wir gemütlich gegen den Uhrzeigersinn.

Die Anreise zum offiziellen Startpunkt gestaltete sich etwas kniffelig: nachdem wir erst vor einer Tennisanlage gestrandet waren, haben wir beim Loslaufen von dort 200 Meter weiter den ausgewiesenen Wanderparkplatz in der Tarforsterstraße am Sportzentrum Tarforst entdeckt und umgeparkt. Alternativ könnt ihr auch den Parkplatz am Galgenkopf als alternativen Startpunkt nutzen.

Es fahren vom Trierer Hauptbahnhof mehrere Buslinien regelmäßig nach Tarforst. Nähere Informationen erhaltet ihr unter www.vrt-info.de

Mitten in Tarforst starteten wir in Richtung Neubaugebiet Trimmelter Hof auf der 800 Meter langen Zuwegung bis zur Weggabelung. Der Ort ist einer von vier Höhenstadtteilen der Stadt Trier und hat zirka 6500 Einwohner. Die Lage auf dem Tarforster Plateau oberhalb der Trierer Innenstadt sorgte ab den 1960 er Jahren für einen rapiden Anstieg der Einwohneranzahl, da sich neben der Universität Trier auch zahlreiche Studentenheime ansiedelten. Auf uns wirkte das ganze Neubaugebiet wie aus einem Guss, da die meisten Häuser im gleichen Baustil errichtet sind, im Grunde genommen alle rechteckige Kuben in grau und weiß gehalten.

Der Frost glitzerte im Morgenlicht auf der nahen Wiese als wir unterhalb des Gebietes wanderten. So entdeckten wir, dass wir parallel zum Saar-Hunsrück-Steig liefen. Er ist ein ungefähr 410 Kilometer langer Wanderweg im Naturpark Saar-Hunsrück sowie im östlichen Hunsrück, der von Perl an der Mosel über die Saarschleife bei Mettlach im Saarland über Hermeskeil und Idar-Oberstein an der Nahe in Rheinland-Pfalz bis nach Boppard am Rhein verläuft. Ein Abzweig von Hermeskeil führt als Ruwer-Route nach Trier an der Mosel. Diese Traumschleife zum Beispiel ist eine von 114, die um ihn herum erschaffen wurden.

Wir waren ein bisschen gefrustet … Circa 2,8 Kilometer schwingt sich der Weg im Wechsel zwischen Feldweg, angelegten Spazierweg und ein bisschen Pfad um das Neubaugebiet herum.

Einzig die 400 Jahre alte Eiche vermittelt ein Gefühl von Natur. In Ihrer Nähe soll der Legende nach der letzte Wolf erschossen worden sein, der in diesem Bereich lebte.

Durch den Olbeschgraben leitete uns die Beschilderung zur Irscher Mühle. Angepriesen auf dem Wanderschild entpuppte sie sich als ein weiterer Ortsteil, den wir durchschreiten mussten. Erneut auf breitem Weg tappten wir am Außenrand des Stadtteiles Irsch entlang.

Ein kleiner naturnaher Lichtblick kam nach 4,3 Kilometern: über einen schmalen Steg überwanden wir ein rauschendes Bächlein, das direkt nebenan einen großzügigen Rastplatz beherbergt.

Die Wegweiser verrieten uns, dass wir nach circa 5,5 Kilometern einen weiteren Rastplatz erreichen sollten… Hätten wir doch nur den ersteren genommen! Der Letztere war zugewuchert und die Örtlichkeit insgesamt schlecht gewählt.

Uff! Ab jetzt ging es von 270 Höhenmetern auf gute 460 und das in knapp 2 Kilometern!

Währenddessen erhält man immer wieder Ausblicke auf die Höhenstadtteile von Trier.

Jene wurden in den 1960er im Rahmen einer umfangreichen Gebietsreform der vier kleinen Bauerndörfer Kernscheid, Tarforst, Irsch und Filsch geschaffen. So entstand innerhalb weniger Jahrzehnte auf der Hochfläche um diese vier Dorfkerne eine bemerkenswerte Stadterweiterung. Hier sind auch Gebäude der Universität Trier zu finden. Eine beträchtliche Erweiterung erfolgte auch Mitte der 90er Jahre nach Abzug der französischen Garnison auf dem Petrisberg. Ein kleiner Höhepunkt ist auch die Sternwarte in Irsch, deren weiße Kugel weit im Land zu sehen ist und die auch mit Führungen zu besichtigen ist. Wir konnten sie am Horizont ausmachen!

Durch ein ausgedehntes Feld- und Wiesengebiet stieg der Weg dann bis zum Galgenkopf (380 Hm).

Hier oben sauste der Wind um unsere Nasen, verwirbelte Sarahs Haar und blies beinahe Marco seinen Hut vom Schädel. Ein bisschen nervte uns, dass wir stets von Autolärm belästigt wurden.

Wir passierten den Parkplatz am Galgenkopf, der als weiterer Startpunkt der Traumschleife dienen kann.

Es boten sich uns auf diesem Teil der Tour traumhafte Fernsichten ins Moseltal und ins Ruwertal, laut der Infotafeln könne man auch bis zum Hunsrück und in die Eifel schauen. Ungefähr 3 Kilometer lang kann man diese Höhenluft schnuppern.

Auf den breiten Landwirtschaftswegen, vorbei an abgeernteten Feldern und schnurgeraden frischen Ackerfurchen, lenkte uns die gute Beschilderung hinab nach Korlingen. Zwar mussten wir zuvor an der angekündigten Hangkante eines Schiefersteinbruches vorbei, aber zu unserem Bedauern waren keine Einblicke zu erhaschen.

Gespannt waren wir besonders auf den nach 12 Kilometer kommenden Korlinger Wacken. Er sollte etwas ganz Ungewöhnliches sein, entpuppte sich dann aber als simpler Steinhaufen mit Gestrüpp darum.

Wieder bergan erreichten wir die Naumetter Kupp hoch über Waldrach. Von der Felsnase, die 170 Meter steil von Waldrach im Ruwertal in die Höhe steigt, waren wir total begeistert.

Nicht nur die beeindruckenden Ausblicke über die Weinbergslagen des Ruwertals, sondern auch die Option auf den zahlreichen Rastbänken eine Pause einzulegen, nahmen wir mit Hunger im Bauch an. Wenig später hatten wir noch kurzen Besuch von einem rothaarigen Lockenkopf, der uns mit seinen vielleicht 8 Jahren jede Menge von der Umgebung erzählen konnte. Einziges Problem dieses Platzes ist der Lärm des Verkehrsknotenpunktes bei Waldrach, der zu uns empor schallte.

Die Fliehburganlage Naumett, die sich einmal hinter dem Aussichtspunkt befand, war leider ohne das Hinweisschild nicht mehr zu entdecken. Richtig schön allerdings sind die alten knorrigen Kiefern, die diesem Abschnitt einen tollen Flair verpassen.

Die letzten 2 Kilometer verbrachten wir ohne größere Steigung über eine offene Wiesen- und Feldlandschaft bis wir wieder am Wanderparkplatz ankamen.

Fazit: Vom Verkehrslärm und den breiten Wegen abgesehen eine ansehnliche Runde, die jede Menge Aussichten verspricht und auch einhält! Im Hochsommer würden wir diese Tour nicht durchführen, aber im Herbst und im Frühjahr mit Rucksackverpflegung eine wirklich gute Option.

Zeitraum: Oktober 2022

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