Strauchs Wanderlust

Neckarsteig, Etappe 08/09

Am achten Tag unserer Reise erwarteten uns ca. 14km von Mosbach nach Gundelsheim.

Wir zelebrieren ein leckeres Frühstück und verbrachten eine ruhige Nacht im Hotel Lamm.

Direkt zu Beginn verzauberte uns das großartige Ambiente der historischen Altstadt von Mosbach. Die Fachwerkromantik hat sich hier sehenswert ausgetobt, ein Besuch hier im Ort lohnt sich auch wegen der Gastronomie und der kleinen, goldigen Geschäfte.

Zu unserer Freude war heute der letzte Tag unseres Community-Trails der Community “Wir, am Weg”. Fleißig posteten die Mitglieder ihre Kilometerstände online.

Richtig steil bergan brach uns, erst über Marcos Erzfeinde (Stufen) und dann über Trampelpfade, schon früh der Schweiß aus.

Ein letzter Blick über Mosbach brachte uns auf eine schmale, aber geschotterte Strecke.

Wir kamen auf dem 1,3km langen Abschnitt am Naturdenkmal Geistereiche vorbei. Dieser alte Titan stand bis zur Zusammenfassung der Grundstücke zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Einzelbaum im freien Feld. Die Blätter der Eiche sollen in dunklen Nächten gerauscht haben, sodass der Volksaberglaube den Vergleich mit Geistern zog.

Direkt daneben mitten im Hochsommer ein Schild für einen Weihnachtsbaumverkauf zu entdecken, beschwor uns ein Lächeln ins Gesicht.

Durch lichten Laubwald erreichten wir eine Landstraße, welche wir überquerten. Wir umrundeten die ehem. Neckartalkaserne.

Sie wurde 2011 stillgelegt und beherbergt nun eine Abfallentsorgunsfirma mit Schwerpunkt Umwelt und ein Trainingszentrum der Polizei von Baden-Württemberg.

Buchstäblich nebenan graste friedlich eine Schafsherde und ein Misthaufen umwob uns sanft mit seinem Duft.

Über Stock und Stein auf schmalen Pfaden trabten wir hinab ins Leutenbachtal. Dabei erfolgte die zweifache Überquerung der Luttenbachtalstrasse. Nun wanderten wir bei Kilometer 4 stetig bergan auf breiten Waldweg bis zur Kreuzung der Straße “Steige”.

Wir ließen es langsam angehen, zum einen wegen der kleinen Anzahl der heutigen Kilometer, zum anderen damit die aufkommende Hitze uns nicht aus den Latschen kippte.

So näherten wir uns zart bergab dem unterhalb von liegenden Neckarzimmern.

Während das Autogebrumm in dem Seitental nachgelassen hatte, holte es uns mit vollem Einsatz wieder ein.

Wir marschierten mit zeitweise guten Neckarblick zu unserer Rechten auf die Burg Horneck zu. Von unten erkannten wir den guten Erhaltungszustand. Innerlich reibten wir uns schon die Hände endlich eine Burg besichtigen zu können. Oben angekommen fielen uns die Luxusschlitten auf, wenige Meter weiter prangte ein Hinweis, dass man in der Weinstube die Eintrittskarten für die Burg erhalten könne. Das Siebenbürgische Museum hat Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 11:00 – 17:00 Uhr geöffnet.

Da wir beide auf diese Thematik an diesem Tag keine Lust verspürten, beschlossen wir einzukehren. Als erstes fiel uns das piekfeine Ambiente auf, dann die Damen und Herren aus der Ferrero-Werbung.

Wir wagten uns näher, erhielten einen Sitzplatz direkt an der Brüstung und wurden dafür neidisch von Herrn Schnösel und samt Frau beäugt, welche kurz nach uns kamen. Essen wurde uns vom Kellner verweigert, wir hätten nicht vorbestellt. Trinken gewährte man uns: 6 Euro für die “selbstgemachte” Limonade (im Wasser schwammen noch die Sirupfäden) und 4,50 Euro für ne lauwarme 0,25l Cola.

Zumindest die Aussicht war das Geld wert. Fast hätten wir den kleinen Wegweiser, der uns ins Steinbachtal lenkte, übersehen. Dieser Schlenker erhöhte unser Wandertachometer für fast zweitausend Meter.

In der Talsohle erwartete uns zwei unangenehme Überraschungen… Erstens 1,5km an der Bahn mit Schnellstraße und zweitens das Ganze ohne Schatten in der prallen Mittagshitze.

Kurz hinter dem Bahnhof von Haßmersheim endlich Schatten! Zwar mächtig steil über Serpentinen, aber die Singletrails im lichten Forst beruhigten unsere geplagte Haut. Hier kamen wir auch mit einer munteren Rentnertruppe ins Gespräch.

Oben am Ende erfreuten wir uns erneut über den wärmenden Asphalt.

Ohne den sagenhaft malerischen Himmel und die brechendvoll hängenden Obstbäume hätten wir 1.5km langen Weg bis nach Michaelsberg nicht genießen können. Zu unserem Pech hatte die ortsansässige Gastronomie alle Plätze belegt. Neben der Michaelkapelle liegen einige landwirtschaftliche Anwesen, die zusammen den Wohnplatz Michaelsberg bilden. Diese Gegend ist sogar ein Landschaftsschutzgebiet. So hat die Weingärtnerfamilie Greiss im Jahre 2000 für die Unterhaltung der historischen Weinberge und den Wiederaufbau des verfallenen Weinberghäuschens von 1839 mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes ausgezeichnet.

Auf unseren weiteren Wegen viele Menschen “pilgerten” der Gastronomie und der Schönheit dieses Kleinodes entgegen.

Gundelsheim breitete sich unterhalb des steilen Hanges vor aus. Mit Trockensteinmauern neben uns bewältigen wir unterschiedlich hohe Stufen, freuten uns am Weinbau und fühlten endlich die erhoffte Atmosphäre, welche uns das Neckarsteig Prospekt versprochen hatte.

Im altehrwürdigen Hotel Zum Lamm checkten wir ein. Der ältere Eigentümer nahm uns Geschichten erzählend in Empfang.

Unseren Abend ließen wir mit Schnitzel und Gartenlimonade im Weinbau Pavillon ausklingen.

Fazit: Abschnittsweise eine wirklich schöne Etappe, doch der Trapp neben der Bahnstrecke und der ultralauten Schnellstraße und die vornehme Burg Horneck dämpfte unsere Begeisterung.

Zeitraum: September 2021

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