Der Lechweg, Etappe 01/07

Der Lechweg, Etappe 01/07

Von langer Hand geplant, durch Corona gefährdet und doch durchgezogen… unsere Reise zum und auf dem Lechweg in Österreich!

147 km in 7 Tagen mit insgesamt 3150 Höhenmetern entlang des letzten Wildflusses Europas!

Unsere große Fahrt begann ganz unspektakulär morgens um 2 Uhr. Der Wecker klingelte und der arme Marco, der vor lauter Reisefieber nur 3 Stunden geschlafen hatte, öffnete seine müden Augen. Ich war relaxt und wach, hatte ich doch gute 6 Stunden durchschlafen können. Das Töftöf war schon gepackt, die Zahnbürsten im Rucksack verstaut und die Fahrt begann. Ohne Regen im Saarland. Kaum in Bayern… Regen!

Also Auto als Dauerparker in einer Tiefgarage im schönen Füssen (alles schon vorher organisiert) abgestellt, mit dem schweren Gepäck samt Rucksäcken durch das strömende Nass zum Busbahnhof und dort (wir sind notorische Überpünktliche) noch in einer Bäckerei was gefuttert. Natürlich immer mit Mundschutz und Abstand, denn die Bayern sind da gründlich. Von Füssen fuhren wir gute 3 Stunden mit dem Bus bis nach Lech. Wir stiegen zweimal um, nämlich in Reutte und in Warth. Ratet mal… wir kamen an… im dicksten Schauer.

Einen guten Kilometer latschten wir mit den wuchtigen Taschen zum Hotel Bergheim. Marcos Rücken und seine rechte Schulter kämpften mit dem Gewicht und der Feuchtigkeit von oben. Die Begrüßung erfolgte mit geringer Herzenswärme, aber großer Routine. Die Informationen mussten wir dem Personal aus der Nase ziehen. Unser Quartier war sehr holzlastig. Gut, in den Bergen ist das nicht unüblich… aber hier dominierte die Panellen-Optik der 70er.

Ein Highlight war unserer Abendessen im benachbarten Hotel Omesberg. Super tolles Ambiente, zuvorkommende Mitarbeiter und das Wichtigste: das Essen war mega lecker! Satt, müde und etwas aufgeregt legten wir uns aufs Ohr.

Vom Formarinsee nach Lech

Unser Frühstück im Bauch, die Regenjacke übergezogen… so machten wir uns auf den Weg zum Wander-Bus, der uns für stattliche 18 Euro pro Person, an den Formarinsee fuhr. Dies ist der offizielle Startpunkt des Lechweges.

Dicke Nebelschwaden drohten, schon von Weitem ersichtlich, ausgehend vom roten Bergrücken den Formarinsee zu verschlucken. Wir hatten gerade noch Glück und konnten von diesem sonst so türkisem Jadestein, das letzte schöne Bild erhaschen. Von nun an für gute 770 Höhenmeter bergab. Durch die seit Tagen anhaltenden Regenschauer glich die Quelle des Lechs eher einem kleinen Teich. Wir konnten noch die Blubber an der Wasseroberfläche sehen.

Der ganze schmale Weg war “wässrig”, steinig und glich einem stetig fließenden Rinnsal.

Die Landschaft tröstete uns ein wenig: atemberaubend im Regen, so wünschten wir uns sie im Trockenen zu erleben.

Je weiter wir in Richtung Tal kamen, um so mehr entpuppten sich kleine Zuläufe zu tosenden wilden Bergbächen, die zweimal den Pfad weggespült hatten. Ja, es war einmal richtig gefährlich und im Nachhinein wäre ein Umkehren das Sinnvollste gewesen.

Aber irgendwie überwanden wir mit mehr Glück (als Verstand) und Sprungkraft auch diese Hindernisse. Nachteil: Pitschnasse Füße.

So etwa 11,5km lagen hinter uns als wir sich unser Blick auf Zug, einem kleinen Ortsteil von Lech, richtete. Hier ist das Tal breiter und der Lech auch.

Die leider schlammbraune Brühe dominierte unsere Eindrücke vom Lech an diesem ersten Wandertag. Das türkise Glitzern der Hochglanzfotos suchten wir vergeblich.

Etwas Erfreuliches war das Aufeinandertreffen mit bekannten Gesichtern vom gestrigen Abendessen. Wir trafen Sepp und Juliane, ein munteres älteres Paar aus dem schönen Mainz.

Kurze Abschnitte der letzten 7 km liefen wir gemeinsam, den letzten Kilometer zur Unterkunft sogar komplett. Sie erzählten uns interessante Geschichten aus ihrem Wanderleben. Kaum am Hotel Bergheim angekommen, endeckten die beiden ein Mainzer Autokennzeichen und die dazu passenden Insassen daneben: Ingrid und Heinz. Stetige Begegnungen mit den beiden “Nicht-Pfälzern” folgten in den nächsten 2 Wochen.

Unser Fazit: Wir wünschten uns Schuhe, die nie nass werden können und erfreuten uns an der spektakulären Bergkulisse. Auch der Regen konnte die Begeisterung für die Landschaft des Lechtales nicht mindern.


Zeit in Bewegung: 05 Stunden 39 Minuten
Distanz: 15,9 km; Geschwindigkeit: 2,8 km/h
Bergauf: 280m; Bergab: 260m
Zeitraum: August 2020


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